"... bitte schneiden"
Das Buch „… bitte schneiden“ von Gerhard Jäckel gehört zu jenen frühen Rundfunkpublikationen, die heute kaum noch zugänglich sind, zugleich aber einen eindrucksvollen Einblick in das Selbstverständnis des Rundfunks der Nachkriegszeit geben. Es erschien in der Passat-Bücherei und versammelt Texte, Gedanken und Erfahrungen aus einer Phase, in der Rundfunkarbeit noch unmittelbar, handwerklich und persönlich geprägt war.
Zentral ist dabei Jäckels Verständnis des Rundfunks als akustisches Medium, das ausschließlich über das Gehör wirkt. Rundfunk entsteht für ihn nicht allein im Studio, sondern im Zusammenspiel von Sprecher, Technik und Hörer. Das Hören wird als aktiver, nachschöpferischer Vorgang beschrieben: Bilder, Empfindungen und Vorstellungen entstehen nicht auf der Seite des Senders, sondern im Inneren der Hörenden.
In einem grundlegenden Text über die Phantasie – abgedruckt im Buch auf Seite 51 – beschreibt Jäckel, wie der Rundfunk alle Sinne indirekt über das Gehör in Bewegung setzt. Sehen, Fühlen und Schmecken entstehen nicht durch äußere Reize, sondern durch innere Bilder. Rundfunkmitarbeiter und Hörer bilden in dieser Sichtweise eine untrennbare Arbeitsgemeinschaft. Ohne die imaginative Fähigkeit des Hörers wäre das Radiogerät sinn- und wirkungslos.
Diese Haltung ist nicht auf künstlerische Sendungen beschränkt. Jäckel betont, dass sie ebenso für Nachricht, Kommentar, Reportage oder Gespräch gilt. Verantwortung, Genauigkeit und Phantasie gehören zusammen – unabhängig vom Ressort. Der Rundfunk erscheint hier als Ort des Erzählens, des Zuhörens und der bewussten Ansprache von Menschen.
Begleitet werden die Texte von Bildskizzen des Grafikers Hans-Hermann Schlicker, die Arbeitsabläufe, technische Situationen und atmosphärische Momente des Rundfunks visuell verdichten. Sie stehen nicht illustrativ neben dem Text, sondern wirken wie eigenständige Kommentare zu einer Medienpraxis, die heute weitgehend verschwunden ist.